Trinkwasserhygiene und Klimaschutz

Die Welt verändert sich dramatisch. Es vernetzt sich alles mit allem, weltweit und auch im eigenen Heim. Gestern noch konnte bedenkenlos Wasser aus hauseigenen Brunnen getrunken werden. Heute ist die Trinkwasserversorgung über Wassergewinnung und große Verteilnetze organisiert. 
Die Versorgung mit Trinkwasser ist somit wesentlich komplizierter geworden. In Bezug auf die Trinkwasserhygiene wurden weit verzweigte Leitungsnetze bis in obersten Stockwerke von Gebäuden gelegt, die damit auch anfälliger für mikrobielle Verkeimungen sind. 

Gefahren, die sich aus komplexen mikrobiellen Verhältnissen ergeben können sind äußerst komplex. Ebenso die Gesetze, Regeln, Normen und Verordnungen, die der Vermeidung von hygienisch unbedenklichem Trinkwasser dienen sollen. 

Ein Kernproblem zukünftiger Trinkwasser- und Energiesysteme stellen die speziellen Temperaturanforderungen dar,  um Trinkwasserhygiene gewährleisten zu können.
Trinkwasser- und Energieversorgung sind technisch eng miteinander verknüpft. Wie sehr diese beiden Themen verflochten sind, zeigen die aktuellen politischen Bemühungen um die Reduktion von Warmwasserverbrauch und Duschtemperaturen, um einen maßgeblichen Beitrag zur Einsparung von Gas zu erreichen. 
Gleichzeitig wird von 82 Millionen Bundesbürgern rund um die Uhr ausreichend Trinkwarmwasser ohne Komforteinbuße in bester Qualität erwartet. Um aus der Abhängigkeit der Gasversorgung herauszukommen, setzt die Bundesregierung zukünftig auf die regenerative Energie- und Wärmeversorgung von Gebäuden. Die Politik forciert den Einsatz von Wärmepumpen für Heizung und Warmwasser in Gebäuden. Noch in diesem Jahrzehnt sollen rd. 5 – 6 Millionen Anlagen in Betrieb gehen. Engpass für den Erfolg der geplanten Umstellung der energetischen Versorgungssysteme sind einwandfreie mikrobielle Verhältnisse in den trinkwasserführenden Versorgungsnetzen.

Die Dimension der geplanten Umstellungen steigert zusätzlich die Komplexität von Planung, Ausführung und Betrieb der Trinkwasser- und Energieversorgungssystemen in Regionen, Quartieren und Gebäuden. 
Überwachungsbehörden müssen einerseits den gesetzlichen Auftrag der mikrobiellen Gefahrenabwehr erfüllen. Andererseits müssen sie den Aufgaben des Klimaschutzes gerecht werden und die Umstellung einer Vielzahl von Versorgungsnetzen unterstützen. Dabei fehlt es an jeglicher Vorbereitung auf diese Aufgabe, wobei das notwendige Wissen sehr schnell und effektiv an die Entscheidungsträger:innen in den Gesundheitsämtern und den Institutionen des technischen Umweltschutzes herangeführt werden muss. 

In dieser Situation hat sich aus dem ikpb heraus eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe mit Institutionen der Gesundheitsüberwachung verschiedener Ebenen sowie Fachleuten diverser technischer Disziplinen gebildet. Die hochkomplexen Zusammenhänge werden schrittweise mit der Methode der Ursache- / Wirkungsmodellierung von Consideo (iMODELER) aufgearbeitet, um ein gemeinsames Verständnis über die Fachgebiete hinweg aufzubauen. Parallel dazu werden Optionen, Chancen und Risiken auf dem Weg der geplanten Umstellung untersucht und Vorschläge für notwendige Empfehlungen und Richtlinien erarbeitet, die die Arbeit der Überwachungsbehörden unterstützen sollen.

Das ikpb (Institut für kybernetisches Planen und Bauen eV.) unterstützt die Arbeitsgruppe durch Bereitstellung von Ressourcen und Know-how zur Bewältigung dieser komplexen Problemstellung. 

Inzwischen wurde eine Richtlinie zum Thema Gebäudeenergieeinsparung und Legionellen auf der Website der Landesregierung des Landes Schleswig-Holstein veröffentlicht und steht dort zum download bereit.